Die Geschichte des Restaurant Ofenloch
Im 12. Jahrhundert wurde in unmittelbarer Nähe die Babenbergerburg errichtet und es entstand das jüdische Ghetto. 1288 berichtet die Chronik von einer Judenbadstube "Zu den Röhren" und 1398 von einer "Judenzeche".
Vom "Ofenloch" ist so manch abenteuerliche Geschichte nachzulesen:
Es war am 11. Februar 1775 als im Gasthaus zum alten Ofenloch, da bereits 9 Uhr abends die Gäste sich entfernt hatten, aber die Lichter nicht verlöscht waren, wie alltäglich um 10 Uhr durch den Flur das Gastzimmer sich mit Gästen wieder füllte. Der Wirt nickte hinter seinem Schanktisch. Ein schlankes schönes Mädchen mit rosigen Wangen und kastanienbraunen Zöpfen kredenzte den Gästen. Von dem knappumschließenden Ledergürtel hing zierlich kokett ein kleines gesticktes Täschchen und eine weiße Schürze mit weißen Bändchen achselüber befestigt, deckte den schwellenden Busen.
Leuchtenden Auges und mit lieblichem Lächeln brachte sie den Zechern Speis und Trank, mit lustigem Lachen oder zierlichem Schmollen die Schäckereien der Gäste erwidernd.
So währte es eine Stunde, das Geschwätz wurde immer lauter, die Fröhlichen immer lärmender. Auf einmal aber verstummten alle, die Kellnerin klammerte sich erbleichend an den Schanktisch. Es wurde an der Gassentür heftig gepocht und raue Stimmen riefen: "Aufmachen!". Viele wollten zur Flurtür hinaus, andere das Licht ausblasen. Nach einigen Axthieben flog die Tür in die Stube und vier Rumorknechte mit dem Rottenmeister an der Spitze stürzten mit blinkenden Waffen herein. Sie waren mit Laternen versehen. Nach einigen Augenblicken gewahrte der Rottenmeister die Kellnerin am Schanktisch, fasste sie unsanft bei der Schulter und rief: "Da haben wir ja das Mensch!" Die Rumorknechte sprangen herbei, legten ihr Handschellen an und schleppten sie fort.
Das Verbrechen des Mädchens war eine Kellnerin gewesen zu sein. Über das Schicksal der Kellnerin ist nichts bekannt, vermutlich wurden ihr die Haare geschoren und sie kam ins Spinnhaus ( = Arbeitshaus ), dem Wirte wurde die Schankgerechtigkeit entzogen. ( aus Schrank J. "Die Prostitution in Wien" 1886 )
"Dumpfe Stuben mit weißen Wänden und braunem Täfelwerk, Tische und Stühle von weichem Holze, blecherne Leuchter und stinkende Unschlittkerzen, das war die ganze Einrichtung. Vom Decken eines Tisches war keine Rede, dieses Recht war nur den eigentlichen Speisehäusern eingeräumt und das Bier wurde in blechernen und zinnernen Kannen aufgesetzt, welche Zimente hießen. Es gab damals nur dreierlei Biere. Das braune, welches so dick war, dass man eine Kröte darin nicht bemerkt hätte, und das sonderbar Weißbier genannt wurde, das Mailänderbier, eine lichtere Sorte und das Horner Bier - ein Haferbier, welches gelblich aussah, in steinernen Krügen abgefüllt wurde und stark moussierte.
Zu essen bekam man in dieser Bierschenke nichts als Brot, geselchte Würste und Quargelkäse, höchstens noch des Abends einen Rostbraten, Lungenbraten oder saure Nieren.
Ebenfalls gewandelt hat sich die illustre Gästeschar:
Waren es damals allerlei rauflustige Saufbrüder, liederliche Weibspersonen und lichtscheues Gesindel, so änderte sich dies im Laufe der Jahrhunderte - Moritz von Schwind, Eduard von Bauernfeld und Franz Schubert verkehrten hier und angeblich auch der unsterbliche Graf von St. Germain.
Danach wurden die Zeiten schlecht und 1934 musste der letzte Wirt des "Ofenlochs" - Anton Koch - die Pforten schließen - bis dieses Barockjuwel 1973 wieder behutsam revitalisiert und somit wachgeküsst wurde.
1976 wurde das "Ofenloch" in neuem Glanze wiedereröffnet und aus einem ursprünglich kleinen Schankraum entwickelte sich das Lokal zu fünf gemütlichen Stuben. Es ist ein beliebter Treffpunkt, der nach wie vor viel Prominenz anzieht.
Namen wie
Leonard Bernstein, Herbert von Karajan, Oskar Werner, Helmut Qualtinger, José Carreras, Klaus Maria Brandauer und viele andere zieren das Gästebuch.
Friedrich Torberg widmete uns darin folgendes legendäres Zitat:
"Von allen Löchern - an denen in der Wienerstadt kein Mangel herrscht - ist mir das Ofenloch das weitaus liebste."